Ich schreibe nur ein Wort: Vielen Dank!

Wer hätte das gedacht, die letzte Kolumne für die Spielzeit 2012/2013 kommt auch noch als allerletzte. Und wenn es in den Netzwerken und im Fernsehen immer wieder ums Hochwasser geht, um Hilferufe und Hilfedanksagungen, dann kommt hier auch zuerst ein Dank, an all die Helfer, auch an den, der diese Kolumne immer online stellt. Denn der musste erst einmal bei seinen Eltern alles abdichten.

Aber der ist natürlich nicht der einzige, bei dem ich mich bedanken möchte, nach dieser historischen Saison, bei ihm weiß ich allerdings, ihn erreicht der Dank definitiv. Beim FC Bayern gehe ich bestimmt mit meinem Dank in der großen Glückwunschflut unter. Trotzdem: Danke, für eine historische Saison. Bei ein paar Ereignissen hatte ich das Vergnügen sogar live als Interviewer vor Ort zu sein, die großen Finals habe ich wie mehr als 30 Millionen andere Zuschauer im TV verfolgt. Klasse, das hat Spaß gemacht. Tut mir leid, liebe Fans des VfB Stuttgart und der Dortmunder Borussia. Selbst, wenn wir gleich zweimal hintereinander feststellen mussten, dass beide Endspiel-Schiedsrichter einen schlechten Tag hatten, letztlich waren die Siege des Rekordmeisters verdient und – ich weiß es ist hypothetisch – aber sie wären wahrscheinlich auch nach korrekten Pfiffen genauso verlaufen. Platzverweise und Elfmeter hin oder her. Wie gesagt, spekulativ. Fakt aber: Die unbändige Freude danach hat doch gezeigt, dass die Bayern nicht nur die Liga und Gegner im Griff hatten, sondern dass sie auch bei aller Souveränität ihre Selbstherrlichkeit abgelegt haben, dass es für sie keine Selbstverständlichkeit war, diese Titel zu holen.

Bastian Schweinsteigers Jubel, seine kompletten Interviews ja, selbst die des sonst ja eher, um es mal wohlgesonnen zu formulieren, rhetorisch einwandfreien Analysen von Kapitän Phillip Lahm, zeugten von Empathie und erzeugten dadurch Sympathie. Ganz zu schweigen natürlich von alle dem, was sie ihrem Trainer Jupp Heynckes zukommen ließen. Das war neben viel Bier vor allen Dingen Respekt, Hochachtung und eben Dankbarkeit. Nicht zuletzt transportiert durch das gemeinsame Niederknien vor dem Mann, der am Dienstag vor allen Dingen eine Pressekonferenz anberaumt hatte, um sich zu bedanken.

Bedanken bei den Münchner Journalisten. Das muss sich wirklich ein jeder auf der Zunge zergehen lassen, deshalb noch mal der Satz: Heynckes wollte sich bei seinen Journalisten bedanken. Auch bei denen, die Jupp Heynckes schon nach seinem ersten Aus beim FC Bayern (wortwörtlich) abgeschrieben hatten. So war und ist Heynckes schon immer gewesen. Höflich und zuvorkommend. Ich erinnere mich immer wieder an eine Szene in Teneriffa, als ich mich meine damalige Freundin zum Drehen begleitete, wie Jupp Heynckes ihr gentlemanlike den Stuhl heranrückte und uns die Vorzüge und Eigenarten der kanarischen Insel erläutert hat.

Auch dafür, aber das wie so häufig nur nebenbei, ein Dankeschön. Wahrscheinlich hat es Jupp Heynckes längst nicht mehr im Gedächtnis. Dafür war die Geste für ihn sicherlich zu klein. Aber selbst wenn sie größer ist, hat er nie einen Wirbel darum gemacht. Mitten in seiner sicherlich nicht einfachen Wiedereinstiegssaison bei den Bayern hat er sich die Zeit genommen um aus München nach Mönchengladbach zu kommen, weil der ehemalige Physiotherapeut von Borussia Mönchengladbach, Charly Stock, seinen 75. Geburtstag nachfeierte. Für Jupp Heynckes eine Ehrensache dabei zu sein. So, wie es ihm auch jetzt immer ein Anliegen war, sich bei beiden Herrmännern, dem mit dem Vornamen Peter und dem mit dem Nachnamen Gerland, zu bedanken. Unnachahmlich sein „Funktionsteam“…und das meine ich fern jeglicher Häme.

Im Übrigen bin ich wie viele der Meinung, dass sich auch Pep Guardiola bei seinem Vorgänger bedanken kann. Ich meine allerdings auch das nicht ironisch, sondern durchaus ernsthaft. Mir ist klar, dass das viele anders sehen, aber ich glaube, dass Guardiola nix Besseres passieren kann. Er übernimmt nicht nur eine perfekt eingespielte Mannschaft, einen absoluten Luxuskader – ob mit einem fitten Mario Götze oder ohne einen vertragsgebundenen Robert Lewandowski. Und – es stelle sich nur mal einer vor, die Bayern hätten auch nur einen ihrer drei Titel nicht geholt. Da wäre es doch ein absolutes Muss gewesen für Pep Guardiola dies in der nächsten Saison nachzuholen. Das Triple als Vorgabe. So aber weiß ein jeder, dass das nicht immer wiederholbar ist. Und – dass sich die Bayern in der neuen Saison vielleicht auch mit weniger begnügen werden, denn mit diesen drei Titeln sind ja auch viele Traumata und bittere Schlagzeilen („ein großer Spieler braucht einen großen Titel“) hinfällig. Zum Glück. Und – auch dafür ein Danke.

Sicherlich gebührt nicht nur Heynckes in dieser Abschlusskolumne ein Dankeschön, aber er steht als allerbester Stellvertreter für die ganze Bundesliga da. Deshalb also dieses eine Wort nur an ihn und für ihn: Vielen Dank. Ach und denjenigen, denen es jetzt erst aufgefallen ist: Dieses eine Wort sind ja eigentlich zwei. Und das Urheberrecht gehört Horst Hrubesch. Der bedankte sich bei den Fans des Hamburger SV nach dem Gewinn des damaligen Landesmeistertitels vom Rathausbalkon eben genauso. Und das, was auf einem Rathausbalkon gesagt wird, vergisst ja so schnell keiner. Auch nicht Jupp Heynckes. Danke!

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